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    15.03.2015
    Spaziergang in der Boothstraße
           
    Spazierengehen und sehen
      LICHTERFELDE     AUSFLÜGE & FAHRTEN

    © Foto: Kiezkontakt
    Heute ist der Himmel einmal blau und ich verlasse das Haus, um mit Kiezkenner Wolfgang Holtz die Boothstraße entlang zu spazieren. Schon etliche Führungen mit bis zu 100 Zuhörern hat der Heimatkundler hier gemacht.

    Dieser Bericht soll eine Einladung sein, den Frühling zu nutzen und sich selbst aufzu- machen, zu sehen, bewusst hinzuschauen und zu entdecken.

    Wir treffen uns am Ostpreußendamm, Höhe Willi-Graf-Gymnasium. Hier beginnt die Boothstraße, die den Namen eines Hamburger Baumschulbesitzers trägt. Booth (*1836 +1908), dessen Vorfahren aus Schottland kamen, war bekannt mit dem Stadtplaner Carstenn (*1822 +1896), der in den 60er Jahren des 19. Jahrhundert die Güter von Giesensdorf und Lichterfelde aufkaufte, sie parzellierte, plante und an stadtmüde Berliner wieder verkaufte. Booth übernahm die gärtnerische Beratung. Ein erheblicher Teil des Lichterfelder Baumbestandes dürfte aus dem Booth’schen Baumschulbestand stammen. Bereits im Jahr 1878 wurde die Boothstraße nach dem Unternehmer benannt, dem anfänglich selbst hier einige Grundstücke gehörten.

    Heute existieren hier noch eine Anzahl beeindruckender Bauwerke, die sich wohlhabende Bürger bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhundert in attraktiver Nähe zur Anhalter Bahn, dem Bahnhof Lichterfelde-Ost (gebaut 1868) bauen ließen. Das älteteste noch vorhandene Haus in der Straße ist die Nummer 2 (Baujahr 1875/76).

    Mit Wolfgang Holtz an der Seite wird der Blick geschult für das, was nicht ganz so offensichtlich dem Spaziergänger ins Auge fällt. Da ist zum Beispiel die Nr. 17, heute ein zeitgenössischer Bau, der ein Seniorenpflegezentrum geherbergt. Glatt wäre man vorbeigegangen an dem schmucklosen Bau vom Anfang der 1970er Jahre. Doch wer hinschaut, entdeckt die Gedenktafel am Gebäude im Vorgarten. Hier wohnte seit 1885 Otto Lilienthal, der bei einem seiner Flugexperimente 1896 tödlich verunglückte. Schräg gegenüber steht ein prachtvoller Bau mit flachem Dach: Nummer 20. Diese Villa bewohnte Arthur Schwarz, der die Neue Photographische Gesellschaft in der Siemenstraße 27 (heute Institut für Medizinische Diagnostik) 1897 gründete, die größte Bilderfabrik der Welt (www.npg-steglitz.de). Zur Boothstraße 20 gehörte ein Areal von 11000 Quadratmetern. Wer genau hinschaut, erkennt am historischen Zaun, welche Ausmaße das Grundstück damals hatte. Auch die Hausnummern 20 a – h sind ein Indiz dafür. Lohnenswert ist ein Blick auf das Eingangstor, das zu jeder Seite mit kunstvoll geschmiedeten, unterschiedlichen Blattmotiven dekoriert ist. Gleich nebenan (Nr. 20 a) ist vor etlichen Jahren die Botschaft der demokratischen Bundesrepublik Äthiopien Residenz eingezogen. Ein Bau, der erst 1936/37 entstand.

    Das Haus Nr. 14 ist eine Kuriosität, denn alte Zeichnungen und ein Foto aus den 1970er Jahren zeigen, das es ursprünglich nur aus dem linken Teil des Gebäudes bestand. Der rechte Teil ist ein beim ersten Hinschauen nicht erkennbarer und mit Stuck verzierter Neubau.

    Mit dem Überqueren der Marienstraße wechselt auch der Baumbestand. Wandelte man bislang unter Kastanien sind es jetzt Linden.

    An der Hausnummer 30 stößt der Spaziergänger wieder auf eine Gedenktafel. Nebenan, Boothstraße 29, wohnte der Ingenieur und Schriftsteller Heinrich Seidel (*1842 +1906). Seidel zeigte sich für die Konstruktion der Kreuzberger Yorckbrücken sowie für eine in Europa einmalige Dachkonstruktion am Anhalter Bahnhof mit einer Spannweite von 62,5 Metern verantwortlich. Später widmete sich Seidel ganz der Dichterei und Schriftstellerei. Sein bekanntestes Werk ist die Erzählung „Leberecht Hühnchen“. Zeilen aus seinen Gedichten, wie „Dem Ingenieur ist nichts zu schwör“ oder „April, April, der weiß nicht, was er will“ sind noch heute beliebte Floskeln.



    An Groß-Lichterfelde
    Von Heinrich Seidel (*1842 +1906)
    (Auszug)

    Wo liegt der allerschönste Ort
    In unserm Vaterlande?
    Mit Freuden ruf’ ich aus das Wort:
    Er liegt am Bäkestrande!
    Ein Ort, so schön wie ein Gedicht -
    So lieblich ist sein Angesicht,
    Daß ich mit Freuden melde:
    Er heißt Groß-Lichterfelde!

    Landhäuser liegen schmuck und blank
    In Gärten, wo ich wandre
    Bei Blütenduft und Vogelsang,
    Und keins ist wie das andre.
    Nach jedem Sinn in diesem Ort
    Find’t Schlösser man und Häuschen dort,
    Denn jedem, wie ich melde,
    Gefällt Groß-Lichterfelde!
    ....





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