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    26.02.2017
    Ein Rieselwärter aus Osdorf
           
    Kostenlose Führung am 01. Mai 2017, 14 Uhr
      LICHTERFELDE     AUSFLÜGE & FAHRTEN GESCHICHTE

    © Foto: Veranstalter
    Der Historiker Jens Leder hat sich mit der Geschichte des zu DDR-Zeiten geschleiften Dorfes und Rieselgutes Osdorf an der Grenze zu Berlin-Lichterfelde beschäftigt. Nach dem Mauerbau lag der Ort im Sperrgebiet. Im Jahre 1970 wurde er bis auf die große Gutsscheune abgerissen. Die Hälfte des Gutswaldes, des jetzigen Osdorfer Wäldchens, rodete man, damit die Grenzsoldaten ein besseres Sicht- und Schussfeld hatten. Osdorf weist eine Geschichte von mehr als 600 Jahren auf, die Jens Leder Interessenten auf einer zwei- bis dreistündigen Führung erzählen möchte. Während seiner Forschungen stößt der Historiker immer wieder auf ganz persönliche Geschichten, wie die des Rieselwärters Ptaschnik....

    Der Rieselwärter Joseph Ptaschnik (1870-1955) stammte aus dem oberschlesischen Josefsdorf, wo sein Vater eine Holzfirma besaß, und erlernte ebenfalls die Holzverarbeitung. In seinen Lehrwanderjahren kam er nach Großbeeren im Kreis Teltow und lernte dort seine spätere Ehefrau Anna Pauline Marie Salzmann (1877-1947) kennen. Deren Vater Gustav Salzmann war in Großbeeren Förster und Rieselwärter. Da Joseph Ptaschnik der katholischen und sie der protestantischen Konfession angehörten, wurde die 1899 in Großbeeren geschlossene Ehe von beiden Elternhäusern nicht akzeptiert. Aus diesem Grunde verließ das Ehepaar mit etwas Hab und Gut Großbeeren und versuchte sein Glück im benachbarten Osdorf. Ptaschnik fand schließlich eine Anstellung als Rieselwärter, der das Standrohr mit den angesammelten Berliner Abwässern zu bedienen hatte, und lebte dort mit seiner Frau am Gutswald in einem Gehöft aus gelbem Backstein mit Vieh und einem Gemüsegarten. Seine Frau Anna nähte und verkaufte dagegen Kleider. Aus der Ehe gingen ein Sohn und eine Tochter hervor. Joseph Ptaschnik ließ sich von seiner Enkelin, wenn sie zu Besuch war, das Mittagessen, welches seine Frau kochte, zum Rieselwärterhäuschen am Standrohr bringen und fuhr mit ihr im Pferdewagen zum Markt auf dem Kranoldplatz in Lichterfelde-Ost. Um 1935 trat Ptaschnik als Rieselwärter in den Ruhestand. In den Jahren 1938/39 zog er mit seiner Gattin in eine Wohnung in der Max-Sabersky-Allee 32 in Teltow-Seehof nahe dem nicht mehr bestehenden Ausflugslokal Waldschlösschen. Anna Ptaschnik starb am 13. November 1947 an Herzschwäche. Zum Tode trug mit Sicherheit auch ihre Unterernährung bei, die u. a. dadurch zu erklären war, dass sie das Essen ihrem Mann oft zugesteckt hatte. Nach dem Tode seiner Ehefrau im Jahre 1947 lebte Joseph Ptaschnik noch einige Jahre in Seehof. Kurz vor seinem Tode bezog er seine letzte Bleibe im Teltower Evangelischen Diakonissenhaus. Am 19. September 1955 starb er laut Totenschein an Erstickung im Bett. Dies war auch der Tag, an dem er von seinem Bankkonto eine hohe Geldsumme bezog. Merkwürdigerweise blieben sowohl das Geld als auch persönliche Gegenstände für immer verschwunden. Beigesetzt wurde er auf dem Teltower Friedhof am Weinbergsweg.

    Der Rundgang findet am 1. Mai 2017 statt und beginnt um 14 Uhr. Der Treffpunkt ist der Parkplatz an der Fläche des wieder aufgeforsteten Osdorfer Wäldchens an der Osdorfer Straße. Interessenten können sich bei Jens Leder melden und für das Jahr weitere Termine vereinbaren.

    Fahrverbindungen: S-Bahnhof Osdorfer Straße, Bus 186 (vom Lichterfelder Ring Gehstrecke bis zum Ende der Osdorfer Straße an der Berliner Stadtgrenze), Kontakt Tel.: 030/75479041, Mobil: 0174/5356721, E-Mail: histoleder71@gmx.de





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