(Druckversion: Ein Artikel von Kiezkontakt-Online vom 01.05.2012)
Pichlers Viktoriagarten
Lankwitzer Bilderbogen
  LANKWITZ     GESCHICHTE

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"Hier können Familien Kaffee kochen", so stand es am Gartenzaun der Gastsstätte in der Viktoriastraße 56, der heutigen Leonorenstraße 18 Ecke Siemenstrasse. Seit 1884 hatte der schwäbische Seilermeister Hermann Pichler an der Leonorenstraße seinen Betrieb, dann richtete Frau Berta dazu ein Lebensmittelgeschäft ein, in dem auch Milch und Flaschenbier verkauft wurden. Sie stellte Tische und Stühle auf - "Pichlers Viktoriagarten" war geboren. Für wenige Pfennige bestellten die Gäste eine Kanne heißes Wasser. Am Tisch wurde der mitgebrachte Kaffee selbst gebrüht und man ließ sich den eigenen Kuchen schmecken. Die Lankwitzer, Steglitzer und Lichterfelder wanderten zu Pichlers. Die Berliner kamen mit Kutsche und Kremser oder im Vorortzug. 1893 ließ Hermann Pichler, nun Gastwirt, einen Saal anbauen. Sonntagskonzerte fanden im Biergarten statt. Es wurde gekegelt, Kinder konnten Ponyreiten und Karussell fahren. 1926 wurden Gästezimmer eingerichtet. Hermann Pichler starb 1929, er hinterließ seiner Frau und den Söhnen Alfred und Hermann das über die Grenzen von Lankwitz hinaus bekannte Ausflugslokal. Vereine tagten dort, Familienfeiern, Tagungen, Ausstellungen und Bälle füllten die Säle. Hans-Alfred Pichler, jetzt in der dritten Generation Gastwirt, baute 1971 ein Hotel. Er war mit seinem freundlichen Personal ein umsichtiger und liebenswürdiger Gastgeber. Aus wirtschaftlichen Gründen sah sich die Familie nach 110 Jahren gezwungen, das historische Haus 1994 zu schließen. Das Restaurant Pichler bleibt aber mit seinen 110 Jahren Teil der 780 jährigen Geschichte von Lankwitz. Familie Pichler ist die älteste noch in Lankwitz lebende Familie aus dem Komponistenviertel. Freunde von "Pichlers Viktoriagarten" bemühen sich, mit einem Gedenkstein an die Gaststätte zu erinnern. >br<>br