(Druckversion: Ein Artikel von Kiezkontakt-Online vom 12.03.2014)
Lankwitz im 1. Weltkrieg
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  LANKWITZ     GESCHICHTE

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Lankwitz im 1. Weltkrieg

Mit Kriegsbeginn 1914 wurde Lankwitz Garnisonsort. Die Kasernen der Einheiten für den Transport von Verpflegung, Verwundeten und Munition waren die damals modernsten, mit Zentralheizung und Innentoiletten. Die Soldaten der Garde-Train-Abteilung in der Gallwitzallee und des Kraftfahrerbataillons in der Malteserstraße hatten gerade ihre Unterkünfte bezogen, als sie an die Front mussten. Das Musikcorps der Gemeindeschule begleitete sie auf dem Weg zum Güterbahnhof Lichterfelde. Die Gymnasiasten in Lankwitz erhielten für den Kriegseinsatz eine vormilitärische Ausbildung, sie übten unter dem pensionierten Generalleutnant Krause Geländespiele am Bernkastler Platz. Schon bald trafen Verwundete in Lankwitz ein. Der jüdische Arzt und Besitzer der Nervenklinik Berolinum Dr. James Fraenkel, ein deutscher Patriot, stellte sein Krankenhaus als Lazarett zur Verfügung. Seine drei Töchter wurden als freiwillige Pflegerinnen ausgezeichnet. Die Bevölkerung litt Not. Lebensmittel, nun nur auf Zuteilungskarten zu bekommen, waren knapp. Fleischlose Wochen wurden bestimmt. Frauen bereiteten im Rathaus Essen für die Ärmsten. Die Quäker-Hilfsorganisation half den Hungernden. Durch Entbehrungen starben viele Einwohner. Für die Kriegsindustrie wurden die Kirchenglocken eingeschmolzen.

Der Bürgermeister Beyendorff war schon 1914 zum Kriegsdienst eingezogen worden, damit endete die weitere Entwicklung der Gemeinde zu einer Gartenstadt. Nach anfänglichem Siegesjubel 1914 wurden nach Kriegsende in Lankwitz 283 Gefallenen beklagt. Ihre Namen stehen auf 13 Tafeln im Kriegerdenkmal des Gemeindeparks. Nach der Revolution 1918 jagte der Arbeiter- und Soldatenrat - in Lankwitz standesgemäß aus einem Fabrikbesitzer, dem Postobersekretär und einem Studienrat bestehend - den verdienstvollen Bürgermeister aus dem Amt. Durch die Eingliederung in den Bezirk Steglitz verlor Lankwitz 1920 seine Selbständigkeit. Lankwitz blieb Garnisonsort; nach dem Versailler Vertrag waren Transporttruppen für den Heimatschutz erlaubt.

Wolfgang Friese Arbeitskreis Historisches Lankwitz