(Druckversion: Ein Artikel von Kiezkontakt-Online vom 09.02.2013)
Lankwitz war ein Kurort
Lankwitzer Bilderbogen
  LANKWITZ     GESCHICHTE

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Vor 100 Jahren meldeten die Lankwitzer Nachrichten: "Unser Beyendorffpark (heute Gemeindepark) hat sich über Nacht in einen Kurpark verwandelt, in dessen schönen Anlagen der Ortsbewohner seine Trinkkur so bequem vornehmen kann, als ob er sich in Karlsbad oder Marienbad befände; sogar Herzkranke, dank dem nach dem Oertelschen System genau berechneten und eingerichteten Terrainerhebungen und -senkungen, werden sich dort einer Kur unterziehen können." Heute Prävention und Rehabilitation genannt.

Ein Kurbrunnenhäuschen lud zu Trinkkuren ein. Das Wasser lieferte der gerade zugezogene Viktor Bergmann aus seiner Flora Apotheke. Frau Didlaukis verkaufte Brunnen aus Karlsbad, Marienbad, Mergentheim und Salzuflen. Ihre Tochter Helene berichtete: "Dort wo heute die Rehe grasen und die Kaninchen ihre Männchen machen, bei der Baumgruppe, stand ein kleines Holzhäuschen; ganz weiß war es und hatte einen roten Hut. Meine Mutter hatte den Brunnenausschank. Sie machte morgens die weißen Läden auf und stand drinnen zwischen vielen Flaschen und Gläsern. Ich lief auf dem Kiesweg und passte auf, ob jemand kam, um zu trinken. Doch manchmal benutzten die Leute den Parkweg nur als Durchgang. Der Bürgermeister Beyendorff lehrte mich den Hofknicks - der Kaiser hätte ja mal nach Lankwitz kommen können. Den Bürgermeister empfing ich jedes Mal so, fiel ich um, lachten wir beide. Abends rechnete sie im Rathaus ab." Das Kurbrunnenhäuschen wurde 1924 zu einer offenen Trinkhalle umgebaut. Im Krieg zerbombt, trägt die Fundamentplatte heute die Futterraufe für Rehe nahe der Minigolfanlage. In der Leonorenstraße hatte der Sanitätsrat James Fraenkel 1906 das Kurhaus Lankwitz gebaut (Ecke Siemensstraße). An dem heute noch markanten gelben Gebäude, das nach dem Krieg das Lankwitzer Krankenhaus war, ist eine Gedenktafel für den Nervenarzt angebracht.

Wolfgang Friese
Arbeitskreis Historisches Lankwitz