(Druckversion: Ein Artikel von Kiezkontakt-Online vom 01.06.2011)
100 Jahre Rathaus Lankwitz
02. September 1911 - Einweihung
  LANKWITZ     GESCHICHTE

© Foto: W. Friese



Notizen:
Autor und Fotos: Wolfgang Friese, Arbeitskreis Historische Lankwitz. Der Beitrag wurde mit Zustimmung des Heimatvereins Steglitz e.V. aus dem Vereinsblatt "Steglitzer Heimat 1/2011" (redaktionell gekürzt) übernommen.".Quellen: Karl Helmstädt, "Lankwitz, Geschichtliches in Wort und Bild aus Vergangenheit und Gegenwart", Berlin-Lankwitz 1911; Arbeitskreis Historisches Lankwitz "Chronik Lankwitz", Berlin 1989


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In diesem Jahr blickt das Lankwitzer Rathaus auf eine 100-jährige Geschichte zurück. Am Sedanstag, dem 2. September 1911, wurde es nach nur zweijähriger Bauzeit eingeweiht. Der Standort am Bahnhof war gewählt worden, "um der zumeist in Berlin tätigen Einwohnerschaft die Erledigung ihrer Verhandlungen mit der Behörde auf ihrem Wege nach Berlin zu ermöglichen." Wegen der Nähe zu Berlin lautete damals der heute wieder gültige Werbespruch der Gemeindeverwaltung: "14 Minuten bis Potsdamer Platz." Mit dem Bau des Rathauses an der Charlottenstraße wurde auch eine als Provokation empfundene Einrichtung der Nachbargemeinde Lichterfelde getilgt. Diese hatte hier ihre Armenhäuser gebaut, die nun abgerissen werden konnten. Das Rathaus wurde zusammen mit dem Bernkastler Platz und dem Parkschlösschen - von den Lankwitzern liebevoll Käseglocke genannt - zur Visitenkarte der Gartenstadt Lankwitz. War der 1895 erbaute Bahnhof mit seinem Stationsnamen Lankwitz schon das "Aushängeschild" einer der ältesten Landgemeinden im Kreise Teltow, so bekam die Gartenstadt mit dem Rathaus nun auch einen prächtigen Anblick. Das Rathaus wurde von den Architekten Gebrüder Raatz im Stile der Deutschen Renaissance erbaut. Ein kräftiger helmbedeckter Turm trug über der Rathausuhr die Figur eines Nachtwächters mit Horn und Laterne. Das Glockenspiel weckte um 7.00 Uhr "Habt Ihr noch nicht lang genug geschlafen?" und beendete den Tag um 22.00 Uhr "Zu Bett, zu Bett Ihr Lumpenhund, es schlägt die letzte viertel Stund." Zum Rathausplatz hin sind die Erker der Zimmer des Bürgermeisters und des Gemeindebaurates reich gegliedert ausgebildet. Der Sitzungssaal der Gemeindevertretung ist durch einen Balkon betont. Die Köpfe der Ratsherren und der Kopf des Städtereformers Karl vom und zum Stein über dem Rathausportal sind reicher bildnerischer Schmuck. Der Rathausbrunnen, Vierwindebrunnen genannt, mit vier reizenden Sirenen und den Köpfen der vier Winde sowie die allegorische weibliche Figur des Sommers auf der 5 m hohen Säule wurde von "gemeinnützigen Bürgern" gestiftet und ein Jahr später am 30. November 1912 aufgestellt. An der heutigen Rathausuhr und noch immer in der Eingangshalle mit seinem historischen Treppengeländer hängt das im November 1913 von der stolzen Einwohnerschaft angenommene Gemeindewappen. Es zeigt ein von Gold und Blau durch Zinnenschnitt geteilten Schild, oben ein aufsteigender blauer Löwe mit roten Krallen und roter Zunge, unten drei aus einem Halm sprießende goldene Ähren. Der Löwe stammt aus dem Hauswappen des früheren Lehnschulzen Johann Friedrich Schmidt, die Ähren symbolisieren das Bauerndorf Lankwitz, der Zinnenschnitt weist auf die Stadtmauer Berlins hin. Die Rathauszimmer, insbesondere das des Bürgermeisters und das Eheschließungszimmer waren schmuckvoll ausgestattet. Der Ratskeller und die in der Tiroler Gotik gehaltene Ratsstube fehlten nicht. Jetzt bekam Lankwitz ein Polizeirevier und endlich auch ein Postamt, vorher gehörte es zum Postbezirk Lichterfelde. Beide Ämter waren im Erdgeschoß des Flügelbaus untergebracht.Das Rathaus ist nur ein Teilbau und war 1911 für die rund 10.000 Einwohner von Lankwitz ausreichend. Die damaligen Baupläne zeigen ein größeres Verwaltungsgebäude für 200.000 Einwohner auf der heutigen Rathausgrünanlage. Der weitsichtige Bürgermeister Dr. Rudolf Beyendorff bereitete als Vorstandsmitglied der Berliner Vorortgemeinschaft einen Zusammenschluss der Gemeinden im nördlichen Kreis Teltow von Lankwitz bis Rudow vor. Nach der Groß-Berliner Verwaltungsreform hätte er sein Rathaus kurzfristig erweitern können. Beyendorff wäre Bürgermeister des vorgesehenen Distriktamtes 17 in Groß-Berlin geworden. Das Rathaus heute: Das Rathaus beherbergte von 1920 bis 1980 die Bauverwaltung des Bezirks Steglitz, danach eine Dienststelle der Berliner Finanzverwaltung. Nach deren Auszug 2007 ist das ehrwürdige Gebäude wieder ein "richtiges" Rathaus. Hier residiert die Sozialverwaltung unter der Leitung des Stadtrates Norbert Schmidt. Wenn die Fenster auch nicht mehr im Blumenschmuck prangen, so ist das Rathaus heute von Fahnen umweht. Beliebt ist der lebhafte Markt montags und freitags auf dem Rathausplatz mit seinem Brunnen.